PIOTR WOLYNSKI

(1959 geboren) ist Professor an der Akademie der bildenden Künste in Posen. Er promovierte in Philosophie und Kulturwissenschaften an der Adam Mickiewicz Universität in Posen. Seit den 1970er Jahren beschäftigt er sich mit kreativer Photographie, und betrachtet diese dabei als das grundlegende Modell zur Erfassung der Realität, aber auch als Quelle alternativer Modelle der Wahrnehmung. Zusätzlich zu seiner künstlerischen Arbeit schreibt er über Kunst, und organisiert Ausstellungen und andere künstlerische Unternehmungen. Seit 1985 ist er mit der Akademie der bildenden Künste in Posen verbunden, ursprünglich als Assistent in Prof. Stefan Wojneckis Atelier, seit 1990 als Leiter seines eigenen Ateliers. 2002 erhielt er dort eine Professur.

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Künstlerische Strategien für die Befreiung der Bilder aus der Wahrnehmungsreihenfolge

Seit der Geburt der Fotografie hat Schritt für Schritt eine Befreiung der Bilder aus der Wahrnehmungsabfolge stattgefunden. Diese Befreiung findet ihre Fortsetzung mit der Entwicklung der elektronischen und Multimedia Wiedergabemöglichkeiten. Dies ist das wichtigste Argument des Vortrags. Und dennoch können mechanische und elektronische Aufnahmegeräte nicht einfach bedingungslos als Nachfolger der vorher bestehenden Tradition der Bildwiedergabe angesehen werden. Um dies zu verdeutlichen, hat die Fotografie eine Doppelrolle angenommen. Zum einen – in Fortsetzung der osteuropäischen Tradition der Malerei – nährt sie die Korrespondenz zwischen dem Bild und der natürlichen Wahrnehmung. Und zweitens: Als Phänomen jenseits dieser Korrespondenz befreit sie die Bilder aus der Verantwortung, sich an die vorgegebene Abfolge der Wahrnehmung zu halten. [...]Ich unterteile diesen Prozess in drei Abschnitte: 1. Mechanische Wiedergabe bereichert unsere natürliche Wahrnehmung der Realität, bleibt dabei aber mit dieser harmonisch. 2. Mechanische Wiedergabe überschreitet die Grenze unserer natürlichen Wahrnehmung, und kehrt gar nicht erst dahin zurück. 3. Unsere natürliche Wahrnehmung der Realität wird zu unserer Wahrnehmung von Bildern. Das Bild ist entweder überflüssig, oder wird zur Grundlage unserer Erfahrung. [...]

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Piotr Wołyński, ‹Form-in-spite-of of a kiss›, 2004