[...] So wie das bipolare Modell der Gesellschaft innerhalb der ausgehenden 1980er durch das multipolare, und das Netzwerk-Modell abgelöst wurde – so passierte im Zeitalter der Ausbreitung des Internets das Gleiche in der Fotografie. In der ausgehenden Soviet-Ära galt das bipolare Modell von Fotografie, als entweder der Reportage oder der Kunst zugehörig. Während der Perestroika wurde dies abgelöst durch ein Bild der Fotografie als entweder offiziell oder inoffiziell. Die 1990er brachten den Beginn einer Stratifizierung (Teilung und Differenzierung) von Fotografie in eine Vielzahl von subtileren Unterformen. Heute nehmen wir sie wahr als ein System von Sphären, oder Bereichen, voneinander abhängend und miteinander kommunizierend, aber stets mit eigenen, unverwechselbaren Qualitäten. → Was ich betrachten möchte, ist die Art und Weise, wie die sozialen und die kulturellen Gruppen der heutigen russischen Gesellschaft in der Fotografie abgelichtet werden (die Selbstdarstellung der oligarchischen Familien im feierlichen Portraitfoto, aufgenommen von jungen Repräsentanten dieser Gesellschaftsklasse; das Phänomen der Abbildung durch die Medien, von Persönlichkeiten des politischen Lebens; Glamour- und Modefotografie; die kulturelle Trennung zwischen Großstädten und Provinzen, mit Schwerpunkt auf gegenwärtigen Trends in der ‹jungen Fotografie› in Moskau und in Sankt Petersburg.) [...]
