LUCIA NIMCOVA

Lucia Nimcova, die 1977 in Humenne, Slowakei geboren wurde lebt in Amsterdam. Dort studierte sie an der ‹Rijksakademie Van Beeldende Kunsten›. Ihre Arbeiten, die bisher in ihrem Geburtsland und den angrenzenden Ländern entstanden sind, lassen sich nicht kategorisch zuordnern, Lucia Nimcova mischt streng Dokumentarisches mit Fiktionen: Archivbilder entschwundener sozialistischer Zeiten, fotojournalistische und performative Ansätze, Videos, Texte. Die Künstlerin beschäftigt sich mit Menschen im Dazwischen und erzählt ihre Geschichten. Für ihr Arbeiten erhielt sie u.a. den ‹ECB Photography Award› sowie den ‹Leica Oskar Barnack Preis›. Sie kuratiert neben ihrer künstlerischen Tätigkeit diverse Ausstellungen und gibt seit mehreren Jahren Workshops.

www.luco.sk

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Inoffiziell

[...] ‹Normalisierung› war ein ideologisches Programm der sozialen und der politischen Integration in der Tschechoslowakei nach 1968. Ich sehe das als eine Art Therapie an, als ein Heilmittel für die Symptome Freiheit und Demokratie. Von der Natur her totalitär, wurde dieser nationale Konsens durch Überwachung und häusliche sowie nationale Motivationskampagnen durchgesetzt. Slogans und Festivals waren kleine Teilchen eines Bühnenbildes, hinter dem handfeste Kämpfe um materielle und andere Vorteile stattfanden. Die Generation vor uns verschwendete viel zu viel Aufmerksamkeit auf das Normalsein. Was bedeutet das? Ist Normalität ein erstrebenswerter Zustand? Meine Generation war dieser Hirnwäsche durch politische Ideologie nicht direkt ausgesetzt. Wir haben keinen Anteil an kollektiven Fehlern, oder ‹erzwungenem› Versagen. Das ist vielleicht der Grund, warum ich in bezug auf Archive so hartnäckig sein kann. Das Fehlen von unüberwindlichen Hürden erlaubt mir, die Situation klarer zu sehen. Ich habe keine Ausreden. [...] Seit 1989 haben die meisten der Veränderungen auf der materiellen Ebene stattgefunden: neue Fassaden, neue Straßenpflaster, neue Sportstadien. Aber eine Gemeinschaft, eine Gemeinde, ist immer geformt von Menschen, von ihren gemeinsamen Interessen und von der Art, wie sie diese miteinander koordinieren. Und wenn die Fassade weiterhin das wichtigste Thema unserer gemeinsamen Interessen ist, was können wir dann erwarten?

 

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Lucia Nimcova, ‹Competition›, 2007